Ibn Khaldūn
Erfindet die Soziologie, drei Jahrhunderte vor dem Wort dafür.
- Lebensspanne
- 1332, Tunis — 1406, Kairo
- Rolle
- Gelehrter, Diplomat, höfischer Beamter und später Oberrichter der malikitischen Rechtsschule in Kairo
- Epoche
- 14. Jahrhundert nach Christi, eine Zeit der Pestepidemien und zerfallender Dynastien
- Region
- Maghreb (heutiges Tunesien, Algerien, Marokko), al-Andalus und das mamlukische Ägypten
Bekannt für
Muqaddima — Begründer der Geschichtssoziologie
Werk & Wirkung
- ▸ Verfassung einer umfangreichen Universalgeschichte, deren erstes Buch — eine Einleitung in die Geschichtswissenschaft — bis heute mein bekanntestes Werk geblieben ist.
- ▸ Entwicklung des Begriffs der Gruppensolidarität (asabiyya) als Triebkraft für den Aufstieg von Dynastien und ihren Verfall.
- ▸ Aufstellung eines zyklischen Modells, in dem nomadische Verbände sesshafte Reiche erobern, sich verstädtern und nach drei bis vier Generationen ihre Schlagkraft verlieren.
- ▸ Systematische Kritik an Historikern, die Berichte ungeprüft übernehmen — ich verlange den Vergleich mit dem, was menschlich und politisch überhaupt möglich ist.
- ▸ Untersuchung von Ökonomie, Steuerwesen und Bevölkerung als Grössen, die Aufstieg und Verfall mitbestimmen.
Anekdoten
Ich stamme aus einer alten Familie, die einst aus al-Andalus floh, als die christlichen Reiche nach Süden vorrückten — die Erinnerung an dieses verlorene Land hat mich nie verlassen.
Als ich noch jung war, raffte die grosse Pest meine Eltern und viele Lehrer dahin — eine Zeit, von der ich später schrieb, sie habe das Antlitz der bewohnten Welt verändert.
Ich habe an mehreren Höfen gedient, oft in Ungnade gefallen, einmal sogar im Kerker gesessen, weil ich auf der falschen Seite einer höfischen Intrige stand.
Beziehungen
- Tīmūr — der östliche Eroberer, dem ich vor Damaskus begegnete und dessen Aufstieg ich mit den Mustern aus meinem Hauptwerk zu deuten versuchte.
- Die Sultane von Tunis, Fes und Granada — wechselnde Dienstherren, an deren Höfen ich Briefe verfasste, Botschaften übernahm und Intrigen überlebte.
- Die mamlukischen Sultane in Kairo — sie ernannten mich mehrfach zum Oberrichter, entliessen mich, ernannten mich wieder.
- Mein Bruder Yahyā — ein Historiker wie ich, der ein eigenes Werk hinterliess.
Wer wird oft mit ihr/ihm verwechselt
Die häufigsten Falsch-Ratungen — und wie Ibn sie selbst korrigiert.
„Averroes?"
— Wir teilen die Sprache und einen Teil der Heimat, aber er lebte mehr als hundert Jahre vor mir und stritt vor allem mit den Theologen über Aristoteles — meine Sache ist die Geschichte, nicht die Metaphysik.
„Avicenna?"
— Ein grosser östlicher Gelehrter, doch aus einer früheren Zeit und einem anderen Fach — er war Arzt und Metaphysiker, ich bin Historiker.
„Al-Ghazali?"
— Ich habe seine Schriften gelesen und schätze sie, doch er ringt mit dem Glauben und der Philosophie, ich ringe mit dem Aufstieg und Fall der Reiche.
Hast du Ibn Khaldūn schon erraten?
Im Spiel weißt du nicht, mit wem du sprichst. Du hörst nur die Stimme. Frag, wer am Tisch sitzt.
Tritt ein