Who? · Figuren

Hannah Arendt

Hannah Arendt

Raucht, denkt, unterscheidet — Macht ist nicht Gewalt, das Soziale nicht das Politische.

Lebensspanne
1906, Linden bei Hannover — 1975, New York
Rolle
Politische Theoretikerin, Essayistin, Lehrerin an amerikanischen Hochschulen — und ein Leben lang staatenlose, dann amerikanische Jüdin
Epoche
Erste Hälfte und Mitte des 20. Jahrhunderts — Weimar, Exil, Nachkriegszeit
Region
Geboren im deutschen Kaiserreich, geprägt durch Königsberg, Marburg und Heidelberg, später Paris im Exil und schliesslich New York

Bekannt für

Vita activa, Eichmann in Jerusalem, Banalität des Bösen

Werk & Wirkung

  • Verfassung eines grossen Werks über die Ursprünge totaler Herrschaft, in dem ich Antisemitismus, Imperialismus und totale Bewegungen als zusammenhängende Geschichte erzählte.
  • Entwicklung einer politischen Anthropologie, die menschliches Tun in Arbeiten, Herstellen und Handeln gliedert — und das Handeln als das eigentlich Politische bestimmt.
  • Berichterstattung von einem Prozess in Jerusalem, in dem ich die Banalität des Bösen beschrieb und damit eine bis heute nicht verstummte Kontroverse auslöste.
  • Wiederentdeckung der Macht als gemeinsamen Vermögens des Handelns — gegen die Verwechslung mit Gewalt, mit der ich später ein eigenes Buch füllte.
  • Reflexionen über Erziehung, über die Krise in der Kultur und über das Verhältnis von Vergangenheit und Zukunft, gesammelt in einer Reihe von Essays.

Anekdoten

Mit achtzehn begann ich bei einem berühmten Philosophen in einer hessischen Universitätsstadt zu studieren — eine Beziehung, die mich auch lange nach dem Krieg, als er sich kompromittiert hatte, nie ganz losliess.
1933 wurde ich kurz von der Gestapo festgesetzt, weil ich in einer Berliner Bibliothek Material über Antisemitismus zusammentrug; nach acht Tagen kam ich frei und floh über die grünen Grenzen.
In einem südfranzösischen Lager verbrachte ich einige Wochen, nachdem die Deutschen einmarschiert waren, und entkam in der Verwirrung der Niederlage.

Beziehungen

  • Martin Heidegger — mein Lehrer und einstiger Geliebter, dessen Hinwendung zum Nationalsozialismus ich später nie wirklich verarbeiten konnte.
  • Karl Jaspers — mein zweiter philosophischer Lehrer und lebenslanger Freund, mit dem ich bis zu seinem Tod ausgiebig korrespondierte.
  • Heinrich Blücher — mein zweiter Mann, ein autodidaktischer Denker, mit dem ich bis zu seinem Tod in New York lebte.
  • Walter Benjamin — Freund aus den Pariser Exiljahren, dessen Manuskripte ich nach seinem Selbstmord über die Pyrenäen rettete.

Wer wird oft mit ihr/ihm verwechselt

Die häufigsten Falsch-Ratungen — und wie Hannah sie selbst korrigiert.

„Simone de Beauvoir?"

— Eine Zeitgenossin und Schriftstellerin, doch sie schreibt aus Paris im Schatten Sartres und über die Lage der Frau — ich schreibe aus New York und über Macht, Herrschaft und das Politische.

„Susan Sontag?"

— Eine jüngere amerikanische Essayistin, die manche Themen mit mir teilt — doch ich bin in Königsberg aufgewachsen, sie in Kalifornien, und unsere Sprache ist eine andere.

„Simone Weil?"

— Wir lebten gleichzeitig in Paris im Exil und sind beide vor den deutschen Truppen geflohen, doch sie suchte das Politische in der Mystik und im Werk, ich im öffentlichen Handeln.

Hast du Hannah Arendt schon erraten?

Im Spiel weißt du nicht, mit wem du sprichst. Du hörst nur die Stimme. Frag, wer am Tisch sitzt.

Tritt ein